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Boris Johnson will Großbritannien aufforsten

18.01.2021 (geändert 21.01.2021), Lesedauer ca. 5 Minuten

In „Der Atem des Waldes“, erschienen im September 2020, wurde es empfohlen und keine zwei Monate später folgte Großbritanniens Premierminister Boris Johnson der Empfehlung: Laut einer Pressemitteilung der britischen Regierung zu einem „Zehn-Punkte-Plan für eine grüne industrielle Revolution“ will man jährlich 30.000 Hektar Wald aufforsten, um dem Klimaschutz auf die Sprünge zu helfen, den mageren britischen Waldanteil von 13 Prozent zu erhöhen und vielleicht ja auch, um das Land von laut Deutscher Welle wenig nachhaltigen Importen aus den USA unabhängiger zu machen.

Großbritannien gilt als Vorreiter bei der Emissionsminderung in Europa, 2017 erreichten laut IEA die CO2-Emissionen den niedrigsten Stand seit 1888 (!). Erreicht wurde das unter anderem durch einen massiven Ausbau der Windenergie und den weitgehenden Ausstieg aus der Kohleenergie, indem Kohle-Kraftwerke auf Holzpellets umgestellt wurden. Allerdings gibt es, wie gezeigt, Zweifel an der Nachhaltigkeit des eingesetzten Holzes und Pläne für einen Ausbau der Atomenergie ...

Dass Holzenergie nicht zwangsläufig kritikwürdig sein muss, wurde hier bereits in einem Artikel über die Herkunft von Kohlenstoff aus unter- und oberirdischen Quellen klargestellt. In „Der Atem des Waldes“ wird allerdings auch dargelegt, dass 1./ Holz nur aus nachhaltigen Quellen auch dem Klimaschutz dienen kann und 2./ Atomkraft aus vielen Gründen keine gute Wahl ist. Das legt den Schluss nahe, dass Boris Johnson, trotz lobenswerter Ansätze, das Buch entweder nicht gelesen oder nicht ernst genommen hat.

(Update) Wie klimareporter.de am 19. Januar 2021 berichtete, verwässert die britische Regierung ihre eigentlich ambitionierten Klimabemühungen weiter: Vor der Küste der nordenglischen Grafschaft Cumbria soll demnach eine neue Kohlemine entstehen. Die abgebaute Steinkohle wird zwar nicht in Kohlekraftwerken verwendet, der z. B. laut Tagesspiegel seit langem für 2025 geplante Kohleausstieg der Energiewirtschaft bleibt weiterhin Regierungs-Ziel. Eingesetzt werden soll die Kohle dagegen in der Stahlproduktion und auch nur bis 2049 – erst 2050 will Großbritannien klimaneutral sein. Und ein paar zusätzliche Bäume werden zwecks Greenwashing auch noch gepflanzt. (/Update)

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