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Holz baut Zukunft

21.01.2021, Lesedauer ca. 10 Minuten

In der Hamburger Hafencity startete im November 2020 laut dem NDR und dem Projektträger Garbe Immobilien (Hamburg) der Bau des (bislang) höchsten Holzhauses Deutschlands. Das 19-stöckige, im Endausbau 65 Meter hohe Projekt nennt sich Roots, nur das zentrale Treppenhaus ist aus Beton. Entstehen sollen dort laut NDR 128 hochpreisige Eigentumswohnungen, dazu allerdings auch in der Hafencity 50 Sozialwohnungen, ebenfalls in Holzbauweise.

Für den Roots-Tower werden 5.500 Kubikmeter Holz verbaut, eine Menge, die laut dem Projektträger binnen 23 Minuten in Deutschland nachwächst. Den Kohlenstoff darin haben die Bäume während ihres Wachstums der Atmosphäre entzogen und wirken so dem Klimawandel entgegen. Wäre der Wald „unter Schutz gestellt“ und das erntereife Holz würde im Wald belassen, würde es binnen weniger Jahre verrotten und der Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre freigesetzt. In dem Gebäude jedoch bleibt der Kohlenstoff gespeichert, bei entsprechender Lebensdauer für 100 Jahre oder mehr.

Feuerschutz

Feuerschutz ist dabei kein Problem, wie ein eindrucksvolles Video aus Lettland (6:43 Minuten) (englisch untertitelt) schon 2017 belegte. Zwei beispielhafte Häuser, äußerlich scheinbar identisch aufgebaut, werden darin in Brand gesteckt. Bei einem Haus ist die Wandkonstruktion aus Rigipsplatten, Fensterrahmen und ein tragender Balken im Dach sind aus Holz. Bei dem anderen Haus sind die Wände aus Stein, die Fenster aus Kunststoff, ein Doppel-T-Stahlträger trägt das Dach. Beiden Häusern wird ein Gewicht von zwei Tonnen auf das Dach gestellt.

Dann werden sie unter identischen Bedingungen in Brand gesetzt. Nach sieben Minuten verliert das herkömmliche Haus ein erstes Kunststoff-Fenster. Als nach einer guten halben Stunde sein Dach einstürzt, weil der Stahlträger sich unter der Hitze verformt hat, hat das Holzhaus gerade das erste Fenster verloren. Als die Feuerwehr schließlich nach 50 Minuten die rauchenden Trümmer der herkömmlichen Konstruktion löscht, hat das Dach mit dem Holzträger bis zum Schluss nicht nachgegeben: Holzträger bilden unter Feuer äußerlich eine schützende Kohleschicht, darunter bleiben sie stabil, tragfähig und verformen sich nicht. Holzkonstruktionen können einem Feuer länger standhalten, ohne einzustürzen.

Schumacher-Quartier

Mit etwa 12 Prozent höheren Preisen als beim klimaschädlichen Betonbau hat der ökologische und technisch sinnvollere Baustoff Holz bislang seinen Preis. Ändern will das ein weiteres Projekt noch größeren Kalibers: Das Schumacher-Quartier auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tegel, der Ende 2020 den Betrieb einstellte.

In diesem größten Holzbau-Projekt der Welt sollen ab 2024 über 5.000 Wohnungen entstehen, die vom ersten Bauabschnitt an einen Holzanteil von mindestens 50 Prozent aufweisen, in benachbarten Quartieren sind weitere 4.000 Wohnungen geplant. Während Baustoffe wie Beton oder Stahl im Zuge ihrer Produktion viel Energie verbrauchen und Treibhausgase freisetzen, bindet Holz Kohlenstoff aus der Atmosphäre – der städtische Wohnungsbau wird so zur Kohlenstoff-Senke.

Gleichzeitig will das Projekt durch verstärkte Automatisierung und Digitalisierung den bislang teureren mehrgeschossigen Holzbau weiterentwickeln. Ziel ist, „den Holzbau mittelfristig 20 bis 25 Prozent günstiger als Massivbau zu machen - bei 80 Prozent Emissionseinsparung“, so der Berliner Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel zur Tageszeitung „Die Welt“.

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