netzwald.gif

Noch ein Bericht über den Fortschritt des Kollapses

04.02.2021, Lesedauer ca. 10 - 15 Minuten

Der weltweite Artenverlust beschleunigt sich immer mehr und hat bereits eine um Größenordnungen höhere Geschwindigkeit erreicht als in den vergangenen 10 Millionen Jahren. Wichtigster Treiber dieses Verlustes ist die gegenwärtige Art der weltweiten Landwirtschaft. Das ist das vorhersehbare Ergebnis des Berichtes „Food system impacts on biodiversity loss“ (PDF, 5,2 MB), veröffentlicht am 3. Februar 2021, von zwei englischen Nichtregierungs-Organisationen (NRO) in Zusammenarbeit mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP).

Chatham House und Compassion in world farming warnen in ihrem Bericht vor einem weiter beschleunigten Verlust an Biodiversität, wenn nicht drei entscheidende Maßnahmen umgesetzt werden:

So weit, so überflüssig. NROs lassen sich seit Jahrzehnten von meist öffentlichen Geldgebern gut bezahlen, um solche durchaus wissenschaftlich fundierten Studien und Berichte zu veröffentlichen. Mit den Einnahmen sichern sie die Stellen ihrer Mitarbeiter und den eigenen Verwaltungsaufwand, und das war es dann auch schon.

So, what?

Die Ergebnisse auch des oben genannten Berichtes sind überwiegend seit Jahrzehnten bekannt; sie sind so auch, belegt durch zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, erwähnt im siebten Kapitel des Buches „Der Atem des Waldes“, erschienen im September 2020 im Selbstverlag, auf eigene Kosten.

Ergebnis wird folgendes sein: Auf der einen oder anderen großen Konferenz dieses oder der folgenden Jahre werden Vertreter zahlreicher Regierungen und Organisationen die Ergebnisse auch dieses Berichtes nickend zur Kenntnis nehmen und nichts tun – außer vielleicht ein paar Empfehlungen auszusprechen, denen niemand folgt und „Maßnahmen einzuleiten“ –, weil die Umsetzung wahlweise

Das heißt natürlich nicht, dass man nicht handeln würde, denn das wäre ja sträflich. Es gibt ja aber auch noch strukturelle Probleme, die der direkten Umsetzung im Wege stehen: Es müssen zuerst neue Regierungs-Instanzen oder Zertifizierungsstellen oder wissenschaftliche Institute ins Leben gerufen werden, die den empfehlenswerten Wandel dann fachgerecht einleiten werden, wenn sie erstmal existieren ...

Dies effektive Nicht-Reagieren führt auf lange Sicht zu einer Verringerung der Handlungsoptionen: Es werden sich angesichts wohlorganisierter regierungsamtlicher Untätigkeit früher oder später aus purer Verzweiflung ökoterroristische Gruppen bilden, um (ungeachtet der mangelnden Erfolgsaussichten solchen Vorgehens) z. B. Umweltzerstörer in politischen Ämtern oder wirtschaftlichen Leitungspositionen einfach wegzuschießen, und sei es nur, um auf solche Weise einen Preis der Angst einzufordern für die Besetzung solcher Posten. Man mag von radikalisierten Tierschützern angesägte Jagd-Hochstände als Vorboten solcher Aktionen ansehen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Derlei wird hier nicht gerechtfertigt. Menschen reagieren aber oft umso irrationaler, je bedrohlicher sie die Lage wahrnehmen.

Staatliche Organe bereiten sich durch allumfassende digitale Überwachung längst auf solche absehbaren gesellschaftlichen Konflikte vor, weshalb Ökoterrorismus – mal abgesehen von offensichtlichen ethischen Problemen – kaum Potenzial zum Wandel haben wird. Somit läuft es auf ein Fortschreiten von Artensterben, Klimawandel und Umkippen der natürlichen Lebensräume hinaus, bis die Folgen – gerade auf dem Gebiet der ja ursächlichen Nahrungsmittel-Produktion – so drastisch sein werden, dass sich eine öffentliche Ordnung mit den bisherigen Mitteln der Ablenkung und Betäubung, vorwiegend durch Konsumangebote, nicht aufrechterhalten lässt.

Dann schlägt die Stunde der Ökodiktaturen, die im Namen „leistungsfähiger“ Eliten einschreiten – um deren materielle Existenz zu sichern, und sei es unter Missachtung aller bislang so laut propagierten „westlichen Werte“. Nur sie werden, um den Preis der Freiheitsrechte, die nötige Machtfülle zum Einschreiten besitzen. Auch dafür werden die gegenwärtig global verschärften Überwachungs- und Repressionsmaßnahmen unverzichtbare Dienste leisten. Wer hat es den staatlichen Sicherheitsorganen denn in der Vergangenheit noch abgekauft, dass z. B. islamistischer Terror Auslöser und Ziel der ständig verschärften Überwachung war? So ziemlich jeder einzelne islamistische Attentäter war den Sicherheitsbehörden schließlich bereits vor seinen Taten bekannt. Der Ausbau der Massenüberwachung dient der Sicherung staatlicher Machtstrukturen unabhängig davon, wovon sie künftig bedroht werden könnten.

Katastrophantasmen? Warten Sie es ab.

Startseite


© 2020 - 2021 • Axel Jönsson

Impressum / Datenschutzerklärung