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Bolsonaros Corona-Mutanten

04.02.2021, Update vom 12.02.2021, Lesedauer ca. 15 - 20 Minuten

Der faschistoide brasilianische Präsident Jair Messias Bolsonaro, seit Anfang 2019 im Amt, ignoriert konsequent die Folgen der Corona-Pandemie in seinem Land und wird dadurch inzwischen zur ernsten Gefahr für das weltweite Gesundheitswesen. Seine Begründung für seine Untätigkeit? „Na und? Ich bedauere das. Was wollt ihr, das ich dagegen tue? Ich bin zwar Messias, aber ich vollbringe keine Wunder“, so Bolsonaro am 28. April 2020.

Plakat vor einem Slum in Manaus: Nichts widersteht der Arbeit

Plakat in der amazonischen Hauptstadt Manaus, gegenüber einer kleinen Favela (Slum), aufgenommen 1998: „Nada resiste ao trabalho“ bedeutet nicht „Arbeit macht frei“, sondern „Nichts widersteht der Arbeit“. Bolsonaros Kommunikationsbüro legte im Mai 2020 eine Kampagne auf mit dem Motto „Arbeit, Einheit und Wahrheit werden Brasilien frei machen“ (Foto: © Axel Jönsson)

Mit Stand vom heutigen 4. Februar 2021 haben sich laut Johns-Hopkins-Universität 9,34 Millionen Menschen in Brasilien nachweislich mit dem Virus infiziert, das ist die dritthöchste Zahl weltweit. Über 227.000 Menschen sind dort mit der Infektion gestorben, und für die Corona-Leugner: Laut Obduktionen sterben 82 Prozent, (Update) nach neueren Zahlen 85 Prozent der Corona-Toten nicht mit, sondern an COVID-19 (/Update).

Viren mutieren, um ihre eigene Verbreitung unter sich ändernden Bedingungen zu sichern oder zu optimieren. So auch Sars-CoV-2. Bekannt wurden bereits Mutanten, die zuerst in Großbritannien und in Südafrika identifiziert wurden. Sie können sich schneller als ihre Vorfahren verbreiten. Eine weitere Corona-Mutante, P.1 getauft, hat in Manaus, der bereits im vergangenen Jahr schwer von der Pandemie getroffenen Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonien, laut BBC und weiteren Quellen inzwischen eine beispiellose zweite Welle ausgelöst und die Stadt zur „Corona-Hauptstadt der Welt“ gemacht.

Keine Herdenimmunität mehr

Laut einer Science-Studie vom Januar 2021 haben etwa 75 Prozent der dortigen Bevölkerung bereits im letzten Jahr eine Corona-Infektion durchgemacht, jedoch ist offenbar keine Herdenimmunität eingetreten. Statt dessen hat um den Jahreswechsel 2020/21 eine massive, zweite Infektionswelle eingesetzt, 91 Prozent der Infektionen seit Dezember werden auf P.1 zurückgeführt, wenn auch auf schmaler Datenbasis – Brasilien hat nicht viele Möglichkeiten zur notwendigen Genom-Sequenzierung. Während die erste Welle laut derselben, brasilianischen Quelle vor allem ärmere Bevölkerungsschichten traf, scheinen diesmal wohlhabendere Menschen betroffen zu sein – manche Forscher sprechen sogar von „zwei ersten Infektions-Wellen“. Wieder kollabiert das Gesundheitssystem, nicht nur in Manaus: Nur dort, nicht aber im Rest des riesigen Bundesstaates stehen Intensivbetten zur Verfügung, die aber ausgelastet sind. Auch für die Intensivpatienten herrscht Mangel an Sauerstoff, sodass sie ersticken. Wieder werden Massengräber ausgehoben.

Es wird für möglich gehalten, dass die Mutante P.1 nicht nur den durch eine frühere Infektion, sondern auch durch die gerade erst entwickelten Impfungen erreichten Schutz unterlaufen könnte, sodass diese erneut angepasst weden müssten. Der erste Hinweis auf P.1 kam aus Japan, wo Anfang Januar die neue Mutation bei Einreisenden aus Manaus in Tokio nachgewiesen wurde. Die Mutante hat sich in Brasilien bereits verbreitet und könnte dank überlegener Infektionsrate binnen eines Monats zur dominierenden im Land werden – die „britische“ Mutante brauchte dazu in Großbritannien drei Monate. Auch in Deutschland wurde P.1 bereits nachgewiesen und war einer der Auslöser für die verschärften Einreisebedingungen bzw. die Einstellung des Reiseverkehrs mit bestimmten Ländern.

„Fora Bolsonaro“ – Werft Bolsonaro raus!

Die Mutationen in Amazonien konnten sich laut Wissenschaftlern wohl nur entwickeln, weil der bereits hohe Anteil an Infizierten zum Ausbreitungs-Hindernis für das Virus wurde: Ein evolutionärer Selektionsdruck entstand, der neue Mutationen förderte, um so auch bereits zuvor Infizierte erneut befallen zu können. Begünstigt durch die weit verbreitete Vernachlässigung selbst einfachster Schutzmaßnahmen – Meiden dichter Menschenansammlungen, Nutzung von Masken, Abstand, Hygiene – konnten sich die neuen Mutanten rasch ausbreiten.

18 Mutanten des Corona-Virus wurden inzwischen in Amazonien nachgewiesen. Dank mangelnder Bildung und nach dem Vorbild ihres Hitler verehrenden Präsidenten Bolsonaro scheren sich viele Brasilianer nicht um Schutzmaßnahmen gegen Sars-CoV-2. Bolsonaro nannte COVID-19 „gripezinho“ (eine kleine Grippe), trollt ständig ohne Maske in der Öffentlichkeit herum, bevor und nachdem er sich Anfang Juli 2020 selbst ansteckte und sabotiert Schutzmaßnahmen, die in den Bundesstaaten ergriffen wurden.

Brasilien schickt sich nach einem leichten Abflauen der Infektionsrate nun an, Indien mit seiner sechsfach größeren Bevölkerung nicht nur wie bisher bei der Zahl der bestätigten Corona-Toten, sondern auch bei der Zahl der Infizierten hinter sich zu lassen. Damit, und mit den speziellen Bedingungen in Brasilien, wird das Land jetzt dank des idiotischen Faschisten an seiner Spitze zur Gefahr für das globale Gesundheitswesen. Zwar wächst gegenwärtig die Zahl der Demonstrationen gegen Bolsonaro, er wird nicht mehr nur wegen seiner Politik gegenüber der indigenen Bevölkerung Amazoniens, sondern auch wegen seiner Haltung zu Corona des Genozids beschuldigt und seine Amtsenthebung gefordert – doch besteht die Gefahr, dass er sich dank des in seiner Regierung stark beteiligten Militärs an der Macht hält.

Es ist höchste Zeit für die Staatengemeinschaft, sich Gedanken zu machen, wie die Bedrohung des weltweiten Gesundheitswesens (und des Klimas) namens Jair Messias Bolsonaro so rasch wie möglich beseitigt werden kann – nicht nur, um der notleidenden brasilianischen Bevölkerung zu helfen. Sollte die Staatengemeinschaft untätig bleiben, wird die Pandemie sich allein dank des Idioten im Palácio do Planalto um Jahre verlängern, weil er aus seinem Land eine Brutstätte impfresistenter Corona-Mutanten gemacht hat.

(Update 12.02.21) Laut der britischen Mikrobiologin Sharon Peacock werden die Corona-Varianten die Welt noch weitere zehn Jahre beschäftigen, so der Deutschlandfunk.

Laut dem wöchentlichen WHO-Bericht zur Pandemielage vom 9. Februar 2021 wurde die amazonische SARS-CoV-2-Variante P.1 (auch B.1.1.28 genannt) nachgewiesen in Kolumbien, Venezuela, Peru, USA, Japan, Südkorea, Vereinigte Arabische Emirate, Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Niederlande, Großbritannien und Deutschland, in Kanada und der Türkei werde ein mögliches Auftreten geprüft. Am 11. Februar meldete die brasilianische Presse den Nachweis auch in Portugal.

Brasilianische Medien zitierten den Gesundheitsminister, General Eduardo Pazuello, die neue Variante sei drei Mal ansteckender als die ursprüngliche, die Impfstoffe seien aber auch dagegen wirksam, Daten oder Studien dazu legte er jedoch laut Süddeutscher Zeitung nicht vor. Nach einer Beruhigung der Lage auch in Amazonien, so Pazuello, seien dort die Infektionen zum Jahreswechsel „senkrecht“ angestiegen, Brasilien werde bis Ende des Jahres seine gesamte Bevölkerung impfen, sagte der Minister laut Protokollen der Agência Senado am 11. Februar.

Auf der gleichen Senatssitzung kündigte der Senator Fabiano Contarato (Espírito Santo) an, man werde Bolsonaro und Pazuello wegen Genozids den Prozess machen: Sie würden sich verantworten müssen, ob in Brasilien oder vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Am 3. Februar bereits informierte der oberste General-Staatsanwalt Brasiliens das Verfassungsgericht des Landes über die Aufnahme vorläufiger Ermittlungen gegen Bolsonaro wegen seiner Politik im Rahmen der Pandemie-Lage in Amazonien: Der Vorwurf eines Anwaltes, Bolsonaro habe sich in Amazonien des Genozids schuldig gemacht, werde geprüft. (/Update)

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