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Vorsicht vor Friedensnobelpreisträgern!

06.02.2021, Lesedauer ca. 10 - 15 Minuten

Das im September 2020 erschienene Buch „Der Atem des Waldes“ entstand in der Freizeit des Autors, neben einem unerquicklichen, belastenden „Brotberuf“. Trotz mehrfachen Korrekturlesens haben es einige Rechtschreib- und grammatische Fehler in die Druckausgabe geschafft, ebenso zwei sachliche Fehler, die hier richtiggestellt werden. Aber der größte Fehler harrt bis heute der Korrektur, sie soll hier erfolgen.

Der größte Fehler in „Der Atem des Waldes“

Als größter Fehler erweist sich heute, kein halbes Jahr nach Veröffentlichung, die Behandlung des äthiopischen Präsidenten Abiy Ahmed Ali im sechsten Kapitel des Textes – unter dem Eindruck des ihm 2018 verliehenen Friedensnobelpreises und seiner tatsächlich beispielhaften Pflanzaktion im Juli 2019, während der binnen eines Tages über 350 Millionen Bäume in seinem Land gepflanzt worden sein sollen. Schon zum Ende der Arbeit am Buch flammten Unruhen in Äthiopien auf, die der Präsident brutal unterdrücken ließ – dies ist im Text noch am Rande vermerkt. Seither aber hat sich laut Medienberichten der äthiopische Präsident als Schlächter sondergleichen entpuppt, auf den auch das Nobelpreis-Komitee hereingefallen ist.

Der aethiopische Praesident Abiy Ahmed in Oslo bei der Verleihung des Friedens-Nobelpreises 2019

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed bei der Verleihung des Friedens-Nobelpreises am 10. Dezember 2019 in Oslo (Foto: © Bair175, Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Telepolis berichtet, dass äthiopische mit Truppen aus Eritrea in der aufrührerischen Provinz Tigray im Norden Äthiopiens mit erschreckender Grausamkeit gegen die Zivilbevölkerung vorgehen. Früher an der Macht beteiligte und auch im Militär vertretene Menschen aus Tigray wurden zuvor aus ihren Positionen entfernt. Der Friedensschluss mit Eritrea, in einem geheimen Dokument festgehalten, scheint allein der Vorbereitung des gegenwärtigen Genozids in Tigray gedient zu haben, beide „Friedensparteien“ haben dort Interessen. Mittel der Kriegsführung sind, auch laut weiteren Medienberichten, unter anderem Massenmord und die gezielte Verursachung von Hunger.

Vorsicht vor Friedensnobelpreisträgern

So traurig es ist: Der Friedensnobelpreis hat sich erneut als Blendwerk erwiesen, dafür gab es weitere Beispiele in den letzten Jahren. Im Dezember 2009, kein Jahr nach Amtsantritt als US-Präsident, erhielt Barack Obama den Preis, laut Wikipedia „für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“. Aber schon wenige Tage nach Amtsantritt begann Obama, den Takt der seit 2001 auch von seinen Vorgängern bereits eingesetzten gezielten Tötungen im Ausland mittels Drohnen zu erhöhen, Tötungen ohne Gerichtsbeschluss (was ja immer noch fragwürdig wäre), ohne Rechtsgrundlage – gemeinhin wird das als Mord bezeichnet. Nach unterschiedlichen Daten befahl er in seinen zwei Amtszeiten als Präsident zwischen 542 und 1.878 solcher Tötungen mit einer wohl nie zu klärenden Zahl an „Kollateralschäden“ in Form unbeteiligter, ziviler Opfer. Ebenfalls laut BBC gingen allerdings auf das Konto von Präsident Trump 2.243 Drohnenschlägeinnerhalb seiner ersten beiden Amtsjahre.

2012 erhielt die Europäische Union den Friedensnobelpreis „für über sechs Jahrzehnte, die zur Entwicklung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa beitrugen“. Allerdings endet dieser Frieden nicht erst seither recht abrupt an den europäischen Außengrenzen, besonders im Mittelmeer: Geschätzt über 21.000 Menschen ertranken dort seit 2014 bei Fluchtversuchen. Zwischen 2000 und 2013 wird die Zahl der Opfer auf 23.000 geschätzt. Neuerdings werden Flüchtende von der pan-europäischen Grenztruppe „Frontex“ auf dem Meer ausgesetzt, ihre Boote dabei beschädigt und/oder Waffengewalt eingesetzt.

In dieser illustren Runde fällt dann auch Abiy Ahmed kaum mehr auf. Dennoch: Asche auf mein Haupt, dass ich solch einen menschenverachtenden Politiker – auch, wenn er zu der Zeit noch verkappt war – lobte, nur weil er einen Preis erhielt und Bäume pflanzte.

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